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Pädagogische Fachzeitschriften 2007

Joachim Tiedemann/Elfriede Billmann-Mahecha

Macht das Fachstudium einen Unterschied?

In diesem Artikel werden die Effekte der Lehrkräfte an Grundschulen, die ein Fachstudium abgeschlossen haben, diskutiert. Aus den Ergebnissen der Grundschulstudie geht hervor, dass Lehrkräfte mit Fachstudium auch keinen höheren Unterrichtserfolg erreichen und die Motivation der Kinder auch nicht steigern können.

Dieser Artikel befasst sich mit den Lernleistungen, dem Lernzuwachs und der Lernfreude von Schülerinnen und Schülern dritter und vierter Klassen an Grundschulen. Anhand einer Studie wurde untersucht, ob Lehrkräfte mit einem Fachstudium und Berufserfahrung einen positiven Effekt auf den Lernzuwachs in der Rechtschreibung und in der Mathematik sowie auf das Niveau der Lesekompetenz zeigen (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 58-61).

Aufgrund des knappen Personalschlüssels wird im Grundschulbereich häufig fachfremdes Lehrpersonal eingesetzt. Diese Methode von Unterricht wird auch als „out-of-field“ teaching bezeichnet. Die Studie sollte dabei zeigen, ob der Lernerfolg der Kinder durch fachfremde Lehrkräfte darunter leidet. Es wird versucht, zusätzliche Lehrkräfte ab der zweiten Klassen in Deutsch und Mathematik unterrichten zu lassen, wenn die Klassenlehrerin kein Fachstudium in dieser Domäne aufweist. Der „gute Lehrer“ sollte neben allgemein pädagogisch-psychologischem Wissen, Fachwissen einschließlich curricularen Wissen und auch fachdidaktisches Wissen vorweisen können. Dieses Wissen kann aber durch ein Fachstudium erworben werden (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 58-61).

Ziel der Studie ist die Rolle des Fachstudiums der Lehrkräfte für die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder im Grundschulbereich empirisch in den Fächern Deutsch und Mathematik zu untersuchen. Nun werden folgende drei Hypothesen überprüft (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 58-61).

1. Hypothese: Lehrkräfte, die Deutsch als Fach studiert haben, erzielen eine höhere Lesekompetenz in der vierten Klasse als Lehrkräfte, die fachfremd unterrichten (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 62).

2. Hypothese: Lehrkräfte, die Deutsch respektive Mathematik als Fach studiert haben, erzielen von der dritten bis zur vierten Klasse einen höheren Lernzuwachs in Rechtschreibung und Mathematik als Lehrkräfte, die fachfremd unterrichten (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 62).

3. Hypothese: Lehrkräfte, die fachkonform unterrichten, erzielen eine höhere Lernfreude im Fach Deutsch und ein höheres schulisches Selbstkonzept als Lehrkräfte, die fachfremd unterrichten (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 62).

Die folgende Untersuchung bezieht sich auf Teilstichproben von insgesamt 1.126 Kindern der dritten und vierten Klassenstufen mit einem männlichen Anteil von 51 %. Teilgenommen haben 28 Schulen mit insgesamt 57 Klassen (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 62).

Nachstehende Kriterien wurden herangezogen: Lesekompetenz, Rechtschreibkompetenz, Mathematikkompetenz, Lernfreude und Selbstkonzept. Die Prädikatenvariablen auf Klassenebene waren Fachstudium – wurde Deutsch bzw. Mathematik als Unterrichtsfach studiert und zuletzt Berufserfahrung – ermittelt wurde nach den Jahren aktiver Lehrerfahrung in der Grundschule (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 63).

Ergebnisse

In 25 Klassen der Längsschnittsstichprobe unterrichten 16 Lehrkräfte sowohl im Fach Deutsch als auch in der Mathematik. Neun dagegen nur in einem der beiden Fächer. In den 31 Klassen der Querschnittsstudie unterrichten alle Lehrkräfte das Fach Deutsch (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 64).

Effekte des Fachstudiums auf das Niveau der Lesekompetenz in der vierten Klasse:

Das Fachstudium der Lehrkräfte und die Berufserfahrung leisten keinen Beitrag zur Aufklärung von Lesekompetenz. Unter den berufserfahrenen Lehrkräften befinden sich verstärkt jene, die fachkonform unterrichten. Daher muss die 1. Hypothese widerlegt werden (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 64).

Effekte des Fachstudiums auf die Lernfortschritte in Rechtschreibung und Mathematik:

Schülerinnen und Schüler, die in der dritten Klasse ein Vorwissen haben, steigert infolge dessen das Lernniveau in der vierten Klasse. Auch am Ende der vierten Klasse erzielen Kinder, mit höherem Ausgangsniveau bessere Leistungen in Deutsch und Mathematik. Das Fachstudium und die Berufserfahrung der Lehrkräfte beeinflussen wiederum den Lernfortschritt von der dritten bis zur vierten Klasse in Rechtschreibung und Mathematik nicht. Es muss ebenfalls Hypothese 2 zurückgewiesen werden (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 64-66).

Effekte des Fachstudiums auf motivationale Faktoren:

Weder das Fachstudium noch die Berufserfahrung wirken sich auf die Motivation der Kinder der vierten Klassen aus. Die Motivation der Schulkinder ist vom Fachstudium der Lehrkraft unabhängig. Daraus folgt, dass sich auch die letzte Hypothese nicht bestätigt (vgl. Tiedemann, Billmann-Mahecha, 2007, S. 67).

Diskussion

Die oben angeführten Ergebnisse widerlegen die Aussage, dass das Fachstudium einen Unterschied im Unterricht macht. Lehrkräfte, die ein Fachstudium abgeschlossen haben, erzielen in dieser Studie auch keinen höheren Unterrichtserfolg und können die Schülerinnen und Schüler auch nicht mehr motivieren, als Kolleginnen und Kollegen ohne Fachstudium. (vgl. Tiedemann & Billmann-Mahecha 2007, S. 67-70)

Quelle

Tiedemann, J. & Billmann-Mahecha, E. (2007). Macht das Fachstudium einen Unterschied? Zur Rolle der Lehrerexpertise für Lernerfolg und Motivation in der Grundschule. Zeitschrift für Pädagogik, 58-73.


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