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Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Reinders, H.

Jugendtypen, Handlungsorientierungen und Schulleistungen

Die Jugendlichen heutzutage haben weniger Freude am Lernen und am Schulbesuch wie früher (vgl. Allerbeck&Schröder zit. nach Reinders 2005, S.551). Die Ziele der Jugendlichen sind unterschiedlich. Für manche hat die Schulbildung eine höhere Priorität, andere bevorzugen mehr Freizeit und geben letzterem einen höheren Stellenwert in ihrer Jugendzeit. Die heutigen Heranwachsenden können sich an zwei Jugend-„Modellen“ orientieren:

I.) Jugend zwischen Bildung und Freizeit-Zwei Jugendmodelle

Die Jugendzeit soll vor allem zum Erwerb von Bildungskapital dienen. Den Heranwachsenden soll dadurch eine möglichst optimale Platzierung in der Gesellschaft ermöglicht werden (vgl. Tippelt zit. nach Reinders 2005, S.553).

I.I) Jugend als Bildungsmoratorium

Die Jugendlichen sollen sich also durch Bildung und Wissensaneignung auf das „Erwachsensein“ vorbereiten, hierfür ist die Schule wesentlich. Die Schule dient der Vermittlung von Wissen und die Familie unterstützt ihr Kind bei Schulproblemen und Fragen der Berufsfindung (vgl. Noak&Wild zit. nach Reinders 2005, S.553). Beide Institutionen begleiten den Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenenstatus und sind interessiert daran, dass er diesen auch zum Abschluss bringt (vgl. Müller zit. nach Reinders 2005, S.553).

I.II)Jugend als Freizeitmoratorium

Die täglich zur Verfügung stehende Freizeit gibt den Heranwachsenden eine hohe Gestaltungsautonomie. (vgl. Zinnecker zit. nach Reinders 2005, S.554) Hierbei wirkt begünstigend, dass der elterliche Erziehungsstil oft nicht mehr sukzessiv genug ist und die Gleichaltrigen immer mehr an Bedeutung gewinnen (vgl. Oswald zit. nach Reinders 2005, S.554). Die jungen Erwachsenen haben oft keine klaren Konturen für diesen Lebensabschnitt (vgl. Allerbeck&Schröder zit. nach Reinders 2005, S.554).

I.III)Jugendtypen zwischen Bildung und Freizeit

Die zwei Modelle treten zueinander in Konkurrenz auf, indem sie sich als voneinander unabhängige Lebensmodelle anbieten. (vgl. Hofer zit. nach Reinders 2005, S.555)Die mit dem Bildungs- und Freizeitmoratorium einher gehenden Orientierungen kann man in einem Vier-Felder-Schema miteinander kombinieren. Daraus ergeben sich vier mögliche Typen:

Assimilation: Die vorrangige Zeitperspektive dieser Jugendlichen ist auf Zukunft und Übergang gerichtet. Schulische Leistungen und die Orientierung an den Eltern sind wichtig.

Segregation: Diese streben die Maximierung von Wohlbefinden an. Freizeitaktivitäten und Gleichaltrige sind wichtig.

Integration: Integrativ orientierte Jugendliche legen Wert auf schulisches Lernen für die Zukunft und auf Wohlbefinden durch Freizeitaktivitäten und mit Freunden.

Diffusion: Diese haben keine klare Vorstellung, welchem Jugendmodell sie folgen möchten. Ihnen ist weder die Vorbereitung auf die Zukunft als auch das Ausleben von Bedürfnissen in der Gegenwart nicht besonders wichtig (Reinders 2005, S. 555 f).

II) Die Theorie motivationaler Handlungskonflikte

Diese basiert auf der Annahme, dass der in westlichen Industrienationen erfolgte Wandel von modernen zu postmodernen Werten zu einer zunehmenden Konkurrenz von Leistungs- und Wohlbefindenswerten bei Jugendlichen führt. Diese Konkurrenz hat Auswirkung auf die Schulleistungen von Schülern. Diese Theorie ist anschlussfähig an das Konzept der Jugendtypen. Die Heranwachsenden sollten die Schule und Eltern mehr wert schätzen, als ihre Freizeitaktivitäten (vgl. Hofer zit. nach Reinders 2005, S.556).

Unter Transitionsorientierung versteht man die Investition in schulisches Lernen und unter Verbleibsorientierung versteht man Investitionen in Freizeitaktivitäten. Wenn man viel erreichen will und nur begrenzt Zeit zur Verfügung hat, kann häufig das eine nur auf Kosten des anderen erreicht werden. Jugendliche berichten, dass Schüler mit gleich hoher Transitions- und Verbleibsorientierung größere Probleme bei der Realisierung schulischen Lernens und von Freizeitaktivitäten haben, als diejenigen die nur eine oder gar keine Orientierung ausprägen (vgl. Hofer zit. nach Reinders 2005, S.558).

III) Hypothesen

Werden die abgeleiteten Annahmen aus den Jugendtypen und der Theorie motivationaler Handlungskonflikte zusammengeführt, lassen sich daraus Hypothesen ableiten, welche die Aussage über relative Positionen der jeweiligen Jugendtypen zur Gesamtpopulation treffen (Reinder 2005, S.558).

IV)Die vorliegende Studie

III.I) Stichprobe

Im Herbst 2003 wurden jugendliche Schüler der Klassen 7 und 8 im Rahmen der Studie „Entwicklungsnormen in der Adoleszenz“ befragt. Ihnen wurden Fragebogen vorgelegt mit Items in Bezug auf ihre Schulnoten, Freizeit- und Handlungsorientierungen und der Relevanz der Eltern und Freunde. Das Durchschnittsalter betrug zu diesem Zeitpunkt 13,3 Jahre.

II)Messinstrumente und Auswertungsmethode

Unabhängige Variable: Es wurden vor allem die Intention zum Übergang in den Erwachsenenstatus und die damit verbundene Zukunftsorientierung erfasst. Es ergab sich eine annähernd gleiche Verteilung der Jugendlichen auf die vier Typen.

Abhängige Variablen: Die Freizeitorientierungen, die Valenz von Eltern und Freunden und die Bereitschaft zu schulischem Lernen wurden durch Skalen erfasst.

Kontrollvariablen: Die Schulform und das Geschlecht der Schulbesucher wurden zur Kontrolle herangezogen.

Auswertungsmethode: Da die relative Position der Typen für den Vergleich zueinander von Interesse ist, wurden die abhängigen Variablen z-transformiert.

V)Ergebnisse:

Es wurde ersichtlich, dass die stärksten Differenzen bei den Handlungsorientierungen zur Schulischen Vorbereitung auf den Beruf und der Sozialraumorientierung auftreten, gefolgt von der Relevanz von Eltern und Freunden und den Realisierungsschwierigkeiten im Freizeitbereich. Weiters wurde festgestellt, dass junge Schüler mit hoher Verbleibsorientierung für die Relevanz der Freunde höhere Mittelwerte aufweisen. Hingegen berichten diffuse Jugendliche für beide Bezugsgruppen eine im Vergleich zur Gesamtstichprobe unterdurchschnittliche Relevanz (Reinders 2005, S.559 ff).

Quelle

Reinders, H. (2005). Zeitschrift für Pädagogik. S. 551-567.


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